Kunst
komplizen
schaft

Neuland
Ein Projekt zum Territorium
9. Klasse - Lina Morgenstern Schule
2016

Info ↘

Auf vertrautem Terrain „Neuland“ betreten, Selbstverständlichkeiten erschüttern und Alltägliches, Unbeachtetes in Besitz nehmen. Das Schulgelände ist zweifelsohne ein Lebensmittelpunkt der Teilnehmer*innen. Täglich verbringen sie hier acht Stunden ihrer Lebenszeit, in denen viel passiert, gute und schwierige Momente wollen gemeistert werden. Von den Meisten wird ganz selbstverständlich hingenommen, dass dieser Ort gegeben ist und nicht verändert werden darf. Doch was passiert, wenn an diesem Dogma gekratzt wird? Stell dir vor, du könntest über einen Quadratmeter Schulgelände frei verfügen? Was würdest du damit tun? Diese Frage stand im Zentrum des Projekts „Neuland“. Sie brachte vor allem persönliche Wünsche, Träume & Sehnsüchte ans Licht. Ganz unterschiedlich wurde mit diesem neuen Freiraum umgegangen.

Die Teilnehmer*innen verorten ein schreckliches oder schönes Erlebnis, auf einer Karte & markieren den jeweiligen Ort auf dem Schulgelände. Ihre Erlebnisse können später anonym mit der Klasse geteilt werden. Anschließend arbeiten Teams, an den ausgewählten Orten.

QUADRATMETERFORSCHUNG

Eine künstlerische Strategie, um sich intensiv mit einem selbstgewählten Raumausschnitt zu befassen. Durch Claudia Hummel haben wir diese Strategie kennengelernt und sie für NEULAND weiterentwickelt. Ziel ist es, dem Quadrat so viele Wahrnehmungen und Eindrücke, wie möglich, zu entlocken. Diese werden protokolliert, um sie später der Klasse präsentieren zu können. Außerdem kann „Evidenzmaterial“ zusammengetragen & an der Basisstation am Binoccular untersucht und gezeichnet werden.

VERTRAG

Ein Vertrag verpflichtet und ermächtigt die SchülerInnen, den Quadratmeter im Sinne der von ihnen entwickelten Utopie zu nutzen und zu pflegen. Dieses Schriftstück kann gegebenenfalls bei der Umsetzung der Vision als Legitimation gegenüber Dritten (Hausmeister*innen, Lehrer*innen, etc.) dienen. Wir berufen uns dabei auf das Grundgesetz: Artikel 5, Absatz 3: Freiheit der Kunst.

UTOPIE & VISION

Was würdest du tun, wenn dir dieser Quadratmeter zur freien Verfügung stehen würde? Jetzt heißt es, sich auf das Gedankenexperiment einzulassen, Utopien zu entwickeln, Visionen zu spinnen – realistische, phantastische, idealistische oder verspielte.

“Ich hab: „Ich weiß nicht“ geschrieben, weil ich den QM nicht brauche! Mal kurz als Frage: Warum braucht man ihn? Man hat vielleicht Ideen, aber muss man sie immer umsetzten? Manches kann doch einfach Fantasie bleiben! Es ist so, als wenn ich jemandem 1QM von IHM wegnehme. Damit ich mich daran bereichere und am Ende muss ich mich immer darum kümmern, z.B. wenn was kaputt geht oder wenn auf einmal was anderes passiert!? Man hat im Leben und in der Schule Verantwortung! Muss man sich wirklich noch um mehr kümmern?” Julie

“1QM Kurdistan. Ich würde das machen wegen den Kurden, damit sie ein Land haben. Und damit die anderen, die keine Kurden sind, keine kurdischen Witze machen.” Süleyman

Utopien für einen Quadratmeter zu entwickeln bedeutet auch, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, wie: „Was ist mir eigentlich wichtig?“ „Was vermisse ich?“ „Wonach sehne ich mich?“ „Was brauchen Andere?“ „Wie können wir Ungerechtigkeiten verhindern?“ Was am Ende dabei herauskommt, ist überraschend vielfältig und zumeist sehr persönlich.

→ In Kooperation mit der Lehrer*in Jana Lettau & KontextSchule UdK

Index